Auszeit
Sind wir alle gleich?
Mode zwischen den Geschlechtern

Die zwei Blondinen im Trenchcoat küssen sich. Sie haben die Augen geschlossen, ihre Lippen berühren sich sanft, hellblonde Haarsträhnen fallen in ihre Gesichter. Frech legt die eine den Arm um die andere. Die zweite Frau hat ihre Hände in der Manteltasche. Diese verführerische Szene steht im Mittelpunkt der aktuellen Kampagne von Jean Paul Gaultier. Zwei Frauen küssen sich: Das allein würde vielen schon reichen, um sich aufzuregen. Aber Gaultier setzt noch eins drauf: Eine der Blondinen ist ein Mann. Als "Femiman" wird Andrej Pejic für Model-Aufträge gebucht. Der 19-Jährige aus Bosnien-Herzegowina verkleidet sich aber nicht als Frau. Er trägt Frauen- und Männermode auf dieselbe Art – und tut das so überzeugend, dass ihn die Leser des Männermagazins "FHM" zuletzt auf Platz 98 der "100 sexiest women in the world" wählten. Nicht nur Medien, sondern auch Designer lieben das Verwirrspiel mit den Geschlechtern. Inzwischen modelt Andrej Pejic für Paul Smith, Vivienne Westwood und John Galliano. Bei der Couture-Show von Jean Paul Gaultier lief er sogar im Brautkleid über den Laufsteg. Männlich und weiblich zugleich Pejic ist die Frontfigur einer neuen, geschlechtsübergreifenden Bewegung in der Mode: Die gebürtige Brasilianerin Lea T begann ihre Karriere als männliches Model Leandro Cerezo, heute bekommt sie als weibliches Mannequin die besseren Aufträge; das Transgender-Model posiert für Givenchy und Marc Jacobs. Auf dem Cover des "Love Magazine" küsste sie zuletzt Kate Moss. Das schwedische Model Wiktor Hansson inszeniert mehr ...

